Nr. 242 / Die ungespielte Wahrheit / 48×36 cm / 2025 / Acryl auf Acrylpapier mit Leinenstruktur. #Himmelskörper
Die Arbeit „Die ungespielte Wahrheit“ zeigt sich wie ein leises Innehalten, ein Moment zwischen Möglichkeit und Zurückhaltung.
Die Violine liegt nicht einfach im Raum, sie ist in den Himmel gehoben und durch ihren klar gesetzten Schlagschatten entsteht eine zweite Ebene; eine Art seelische Zwischenschicht. Diese Schattenebene wirkt wie der Resonanzraum innerer Wahrheiten, jener Ort, an dem Gedanken vibrieren, bevor sie ausgesprochen oder gespielt werden.
Der Bogen, diagonal darübergelegt, markiert keine Bewegung, sondern eine Schwelle. Er wirkt wie ein Strich durch eine unausgesprochene Zeile, ein Hinweis darauf, dass Klang und Wahrheit manchmal warten müssen, bevor sie Gestalt annehmen dürfen.
Diese Geste macht die Violine zu einem Symbol für die Zurückhaltung, die wir im Angesicht von Verletzlichkeit empfinden.
Im Korpus des Instruments pulsieren warme orangene Akzente. Sie stehen für die kreative Energie, die bereitsteht, aber noch nicht freigesetzt wird – wie eine Glut unter der Oberfläche.
Der Himmel, mit seinen fließenden Wolken und weiten Strukturen, bildet den offenen Raum, in dem diese innere Spannung sichtbar wird. Er ist nicht rein dekorativer Hintergrund, sondern die äußere Welt, in der sich innere Wahrheiten bewähren müssen.
Die Violine in ihrer schattenumrandeten Schwebeposition scheint in ihn hineinzuhorchen, als suche sie nach dem richtigen Moment für ihren ersten Ton.
So verweist die Arbeit auf die fragile Schönheit des Ungesagten. Auf jene Wahrheit, die bereits existiert, aber noch nicht erklingt. Eine Wahrheit, die wie die Violine selbst bereitliegt in zwei Ebenen zugleich und darauf wartet, dass jemand den Mut findet, den Bogen zu heben.