Nr. 243 / Loch in der Bedeutung / 48×36 cm / 2025 / Acryl auf Acrylpapier mit Leinenstruktur. #Himmelskörper
Diese Arbeit öffnet einen Blick in eine Zeit, in der Bedeutungen brüchig werden. Das Puzzle, das den Himmel formt, wirkt wie ein kulturelles Diagramm: ein Gefüge, das lange Orientierung bot und nun Risse zeigt.
Die fehlenden Teile markieren nicht nur Lücken im Bild, sondern Lücken im kollektiven Verständnis. Was früher fest erschien, beginnt sich aufzulösen.
Der Hintergrund zeigt in vibrierenden Gelb- und Orangetönen ein Feld innerer Beweglichkeit. Kreative Energie und Lebendigkeit fluten die Fläche wie Strömungen, die unter der Oberfläche der Ordnung arbeiten. Linien überlagern sich, schneiden durcheinander, bilden Fragmente eines Systems, das seine Eindeutigkeit verloren hat. Die Schichten wirken wie sedimentierte Deutungen, die sich unter dem Druck des Wandels neu verschieben.
Über diesem pulsierenden Terrain liegt das Puzzle als fragile Konstruktion ehemaliger Gewissheiten. Die hellblauen Teile bilden eine scheinbar rationale Struktur, doch die Form ist porös geworden. Das Loch im Himmel ist ein Bruch im Bedeutungsgefüge, ein sichtbarer Hinweis darauf, wie sehr sich gesellschaftliche, politische und persönliche Sinnsysteme gerade neu ordnen. Traditionen verlieren Bindekraft, Wahrheiten verhandeln sich neu, Orientierung wird zum Suchprozess.
Das unpassende Puzzleteil im Zentrum ist der Störimpuls dieser Ordnung. Es gehört nicht hierher, weder formal noch farblich. Es steht für jene widersprüchlichen Impulse, die derzeit ganze Narrative verschieben: technologische Beschleunigung, schwindende Gewissheiten, veränderte soziale Rollen, globale Krisen und die Suche nach neuen Sinnachsen. Es ist der Gedanke, der nicht ins Schema passt, aber genau dadurch sichtbar macht, dass das Schema selbst bröckelt.
Die Arbeit deutet an, dass Meaning Shifts nicht allein Verlust bedeuten. Zwischen den Linien und Farbfeldern schimmert ein leiser grünlicher Ton, kaum dominant, aber präsent mit Hoffnung und Zuversicht als subtile Gegenkräfte. Das Loch ist nicht nur eine Leerstelle, sondern eine Öffnung: eine Möglichkeit, hinter die vertraute Oberfläche zu blicken und neue Zusammenhänge zu denken.
Diese Arbeit beschreibt einen Moment kultureller Übergänge. Ein Himmel, der nicht länger stabil ist, sondern sich selbst hinterfragt, spiegelt eine Zeit, die ihre eigenen Bedeutungen neu zusammensetzen muss. Hier entsteht ein Bild nicht der Zerstörung, sondern der Neuordnung, ein offener Raum, in dem Sinn nicht verloren geht, sondern sich wandelt.