Nr. 259 / Eigene Deutung / 36×48 cm / 2026 / Acryl auf Acrylpapier mit Leinenstruktur.
Die Arbeit „Eigene Deutung“ entfaltet sich als visuelles Nachdenken über Wahrnehmung und Freiheit.
Der Hintergrund wirkt bewegt und offen, durchzogen von geschwungenen Linien und fließenden Farbflächen. Tiefes Blau trifft auf warme Orange- und Pfirsichtöne, dazwischen helle Übergänge.
Diese Farben bilden die Gefühlsebene: Sie changieren zwischen Ruhe und Spannung, zwischen Weite und innerer Bewegung, wie ein emotionales Gelände ohne festgelegte Richtung.
Über diesen Hintergrund legt sich das Weiß als gelassene Schicht. Es dominiert nicht, sondern ordnet. Das Weiß wirkt wie ein stiller Filter, der nicht festlegt, sondern auswählt. In ihm öffnen sich die Durchlässe; kantig, gerichtet, beinahe konstruktiv.
Diese Elemente strukturieren die kognitive Ebene der Arbeit. Durch sie wird die Welt plötzlich lesbar, scheinbar geradlinig, auf Ziele hin ausgerichtet. Doch diese Ordnung ist kein objektives Gegebenes, sondern Ergebnis der eigenen Deutung.
Die Komposition lebt von diesem Spannungsverhältnis. Die Durchlässe schneiden Richtungen in das Fließende, geben Halt, ohne die Bewegung des Hintergrunds aufzuheben. Sie sind wie gedankliche Fenster, durch die Realität eine Form annimmt. Gleichzeitig bleibt sichtbar, dass auch diese Ordnung fragil ist, abhängig vom Standpunkt des Betrachtenden.
„Eigene Deutung“ erzählt davon, dass Wirklichkeit nicht gefunden, sondern gestaltet wird.
Gelassenheit erscheint hier als Voraussetzung von Freiheit: Erst wenn das Bedürfnis nach einer einzig richtigen Sichtweise nachlässt, öffnet sich der Raum für persönliche Bedeutung. Die Arbeit lädt dazu ein, die eigene Perspektive nicht als Grenze, sondern als schöpferischen Akt zu begreifen.
Kulturelle Kontextualisierung
Wir leben in einer Zeit, in der Algorithmen, soziale Medien und KI-generierte Inhalte permanent anbieten, Wirklichkeit für uns zu sortieren und zu deuten. „Eigene Deutung“ setzt dem eine klare Position entgegen: Bedeutung entsteht nicht durch das Konsumieren von Fremddeutungen, sondern durch den aktiven eigenen Blick. Die Arbeit lädt dazu ein, Wahrnehmung als kulturelle Praxis zu begreifen und die persönliche Perspektive als eigenständigen schöpferischen Akt zurückzugewinnen.
Politische Kontextualisierung
In einer Zeit wachsender gesellschaftlicher Polarisierung wird die Fähigkeit, zwischen faktenbasierter Realität und persönlicher Deutung zu unterscheiden, zur demokratischen Kernkompetenz. „Eigene Deutung“ stellt keine Ordnung gegen das Chaos, sondern zeigt, dass jede Ordnung ein Standpunkt ist und damit Verantwortung verlangt. Das Werk erinnert daran, dass politische Mündigkeit genau dort beginnt, wo Menschen aufhören, Deutungen unhinterfragt zu übernehmen.
Ab dem 28.05.2026 ist diese Arbeit in einer exklusiven Ausstellung der Galerie Jaeschke, in den Räumen der Industrie und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg, zu sehen.
Adresse der Ausstellung: Porschestraße 32, 38440 Wolfsburg
Bei Interesse zum Erwerb der Arbeit nehmen Sie bitte direkt mit der Galerie Jaeschke Kontakt auf.
Ansprechpartner sind Jana Jaeschke und Sabrina Pannier.
Galerie Jaeschke GmbH
Schuhstraße 42
38100 Braunschweig
Tel: (0531)24312-0
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