Nr. 270 / Sophie 2026 / 65×50 cm / 2025 / Acryl auf Acrylpapier mit Leinenstruktur. #Freistellerei
„Sophie 2026“ ist für mich eine Arbeit über Haltung in einer Zeit, in der Haltung wieder etwas kostet.
Ich habe Sophie Scholl hier nicht als historische Figur im Sinne eines Porträts gemeint, sondern als innere Figur, als Stellvertreterin für die junge Generation, die uns in eine bessere Zukunft führen kann, wenn sie bereit ist, für ihre Werte einzustehen.
Mich interessiert dabei nicht das Erinnern als Rückblick, sondern die Frage, was Sophie heute bedeutet, in einem gesellschaftlichen Klima, das ich 2026 als politisch aufgeladen, verunsichert und in großen Teilen nach rechts driftend empfinde.
Wie in meinen Arbeiten der Werkreihe „Freisteller“ arbeite ich auch hier mit einer klaren Figur und mit bewussten Öffnungen. Die dunkle Form gibt der Arbeit zunächst Präsenz, Ernst und Konzentration.
Gleichzeitig wird diese Geschlossenheit durch die Durchlässe unterbrochen. Diese Durchlässe sind für mich die kognitive Ebene der Arbeit. In ihnen zeigt sich das Denken, das Prüfen, das Ringen, das innere Sortieren.
Gerade im Bereich des Kopfes und des Gesichts wird für mich sichtbar, dass klare Haltung nicht aus Einfachheit entsteht, sondern aus Bewusstsein.
Die Farben im Hintergrund tragen die Gefühlsebene. Das Rosa, die rötlichen Töne und die lichten gebrochenen Flächen erzählen für mich von Verletzlichkeit, von Dringlichkeit, aber auch von Lebendigkeit. Die grünen Partien setzen dem etwas entgegen. Sie stehen für Hoffnung, Zukunft und für die Möglichkeit, dass aus innerer Klarheit und Mut etwas Neues wachsen kann.
Der Hintergrund ist deshalb nicht Kulisse, sondern emotionale Wirklichkeit. Er zeigt das Feld, in dem sich diese Arbeit bewegt.
Das Weiß steht für mich auch hier für Gelassenheit. Nicht als Rückzug, sondern als innere Souveränität. Gelassenheit ist in dieser Arbeit die Voraussetzung dafür, überhaupt klar sehen, klar denken und klar handeln zu können.
„Sophie 2026“ ist für mich deshalb eine Arbeit über Widerstandskraft, über Werte und über die stille Entschiedenheit, die es braucht, um dem Zeitgeist nicht einfach zu folgen.
Sie ist auch mein Vertrauen darin, dass gerade die junge Generation die Kraft haben kann, unsere Zukunft menschlicher, klarer und mutiger zu gestalten.