Arbeit 271 Stadtplan des Ich canva

Nr. 271 / Stadtplan des Ich / 36×48 cm / 2026 / Acryl auf Acrylpapier mit Leinenstruktur. #Gelassenheiten und Freiheit

Mit meiner Arbeit „Stadtplan des Ich“ aus der Werkreihe „Gelassenheiten und Freiheit“ beschäftige ich mich mit der Frage, wie Gelassenheit zu einer Form innerer Orientierung werden kann.

Für mich ist das Ich kein fester Punkt, sondern eher eine vielschichtige innere Landschaft, vielleicht sogar eine ganze Metropole mit offenen Plätzen, verborgenen Gassen, schönen Orten und auch Gegenden, die man nicht immer freiwillig aufsucht.

Erst durch Gelassenheit entsteht die Möglichkeit, sich in diesem inneren Raum bewusst zu bewegen.

Die Farben im Hintergrund stehen in dieser Arbeit für die Gefühlsebene. Ich habe mit Gelb, Gold, Grün und kräftigem Blau gearbeitet. Das Gelb und Gold bringen für mich Licht, Wärme und Lebendigkeit in die Arbeit. Das Grün öffnet einen Raum von Ruhe, Reifung und innerer Erdung. Das Blau setzt markante Akzente und wirkt auf mich wie eine tiefere emotionale Spur, wie eine Achse oder ein Strom, der sich durch das Innere zieht. So entsteht im Hintergrund kein einheitliches Gefühlsfeld, sondern eine differenzierte seelische Topografie.

Das Weiß steht auch in dieser Arbeit für die Gelassenheit. Für mich ist es die Kraft, die nicht verdeckt, sondern ordnet. Es beruhigt die emotionale Komplexität des Hintergrunds nicht, indem es sie verdrängt, sondern indem es sie lesbar und begehbar macht.

Das Weiß schafft Distanz, Übersicht und einen stillen Raum, in dem ich mich meinem eigenen Inneren zuwenden kann, ohne von ihm überwältigt zu werden.

Besonders wichtig ist mir die Komposition der Durchlässe. Diese freien Flächen im Weiß, durch die der Hintergrund sichtbar bleibt, stehen für die kognitive Ebene. Ich verstehe sie wie Wege, Blickachsen, Kreuzungen und Verbindungen innerhalb eines inneren Stadtplans.

Sie überlagern sich, schneiden sich, öffnen Richtungen und machen deutlich, dass Orientierung im Ich nicht linear verläuft. Man entdeckt etwas, verliert es wieder, kehrt bewusst zurück und erkennt Zusammenhänge neu.

So ist „Stadtplan des Ich“ für mich eine Arbeit darüber, dass Gelassenheit mehr ist als Ruhe. Sie ist eine Form innerer Navigationsfähigkeit. Sie macht es möglich, sich selbst zu erkunden und auch an die schönen wie an die herausfordernden Orte des eigenen Inneren gezielt zurückzukehren.

Kulturelle Kontextualisierung

Selbsterkenntnis und innere Orientierung sind in unserer Zeit zu einem Massenphänomen geworden, von Therapie über Meditation bis zu unzähligen Apps, die versprechen, das eigene Innenleben besser zu verstehen. Diese Arbeit zeigt jedoch, dass das Ich kein Problem ist, das man löst, sondern eine vielschichtige Landschaft, durch die man sich immer neu bewegt, mit guten Gegenden, schwierigen Gegenden und vielen Wegen dazwischen. Gelassenheit ist dabei nicht das Ziel am Ende der Reise, sondern das, was die Reise überhaupt erst möglich macht.

Politische Kontextualisierung

Eine Gesellschaft, in der immer mehr Menschen den Bezug zu sich selbst verloren haben, produziert auch eine Politik, die von Außenreizen, Empörung und Herdentrieb getrieben wird statt von innerer Klarheit und Urteilsvermögen. Diese Arbeit erinnert daran, dass politische Mündigkeit eine innere Voraussetzung hat: wer sich selbst nicht navigieren kann, wird leicht navigiert. Wer seinen eigenen Stadtplan kennt, lässt sich schwerer instrumentalisieren.

Arbeit 271 stadtplandesich
Meine Originale werden in einem selbstentwickelten Acrylglasssandwich gerahmt
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