Arbeit 281 Trotzdem canva

Nr. 281 / Trotzdem / 36×48 cm / 2026 / Acryl auf Acrylpapier mit Leinenstruktur #Weißfelder des Lebens

Was der Betrachter zunächst wahrnimmt, ist Bewegung. Breite, wuchtige Pinselzüge in verschiedenen Blautönen vom tiefen Kobalt bis zum hellen, fast metallischen Cyan überziehen die Fläche in großen, ausgreifenden Gesten.

Sie kreuzen sich, überlagern sich, brechen auseinander und fügen sich doch zu einem inneren Rhythmus zusammen. Nichts hier ist zögerlich. Alles ist im Begriff, sich zu vollziehen. Und genau das ist das Thema dieser Arbeit.

Der Hintergrund, jene geometrisch strukturierte Fläche aus feinen Tuschelinien, die in Rosé und einem warmen, gedämpften Lachs leuchtet ist die emotionale Tiefenschicht dieser Arbeit. Er trägt etwas Analytisches in sich, fast Architektonisches: Dreiecke, gefüllt mit parallelen Linien, die ein Netz aus scheinbar logischen Argumenten bilden. Genau so präsentiert sich der Zweifel. Er kommt nicht chaotisch. Er kommt geordnet, überzeugend, scheinbar vernünftig. Er flüstert in vollständigen Sätzen.

Doch der blaue Farbauftrag kommt und überlagert diese Struktur. Er legt sich darüber, nicht um sie auszulöschen, sondern um sie zu übertreten. Und hier liegt die eigentliche malerische Aussage dieser Arbeit: Der Zweifel ist noch da. Er verschwindet nicht. Aber er wird nicht Herr des Bildes.

Die Durchlässe, jene Stellen, an denen das rosa strukturierte Fundament durch den blauen Farbauftrag hindurchscheint sind keine Fehler. Sie sind das Bekenntnis. Der Zweifel bleibt sichtbar. Er reist mit. Im Gepäck des Handelns findet sich immer auch das Unbehagen, das Nicht-ganz-sicher-Sein. Und diese Arbeit lässt das zu. Sie zeigt es, ohne es zu bewerten.

Das Weiß in dieser Arbeit zwischen und auf den Pinselzügen, in den hellen Reflexionen auf der Farboberfläche, in den kleinen Pausen, die der Pinsel hinterlässt trägt, wie immer in meiner Arbeit, die Bedeutung von Gelassenheit, Freiheit und Identität.

Es ist nicht Leere. Es ist Klarheit. Jene Momente, in denen man sich selbst erkennt, auch inmitten der Bewegung. Vielleicht gerade deswegen. Das Weiß unterbricht die blaue Dynamik nicht es begleitet sie, wie ein ruhiger Atem in einem schnellen Lauf.

Die Komposition insgesamt verweigert sich der Statik. Es gibt keine Mitte im klassischen Sinne, keinen Ruhepol, um den sich das Geschehen ordnet. Und das ist kein Mangel es ist Programm. Denn wer wartet, bis alles geordnet ist, bis der Zweifel verstummt und die Fragen beantwortet sind, der wartet vergeblich.

Diese Arbeit läuft los. Sie weiß nicht, wie es endet. Aber sie geht. Für mich ist diese Arbeit keine Aussage über Stärke. Sie ist eine Aussage über Menschlichkeit. Über die Würde des Trotzdem.

Ich habe nicht gemalt, wie sich Sicherheit anfühlt ich habe gemalt, wie es sich anfühlt, unsicher zu sein und dennoch den Pinsel zu heben.

Der Betrachter, der sich Zeit nimmt, wird bemerken: Die Arbeit atmet. Sie kämpft nicht gegen sich selbst. Und genau darin liegt ihre Kraft.

Arbeit 281 trotzdem
Meine Originale werden in einem selbstentwickelten Acrylglasssandwich gerahmt
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