Arbeit 283 STOP canva

Nr. 283 / STOP / 48×36 cm / 2025 / Acryl auf Acrylpapier mit Leinenstruktur. #Freistellerei

Manchmal braucht es nur ein einziges Wort. Kein Argument, keine Erklärung, keine ausführliche Begründung. Nur dieses eine, kurze, unmissverständliche Wort: STOP. Und doch liegt in ihm die vielleicht anspruchsvollste Aufforderung des Alltags verborgen, nämlich innezuhalten, bevor der Tag spurlos an uns vorübergegangen ist.

Diese Arbeit ist aus genau dieser Erfahrung entstanden. Aus dem Erleben, dass Tage einfach durch uns hindurchrauschen. Dass wir Dinge erledigen, Gespräche führen, Entscheidungen treffen und abends kaum noch wissen, was eigentlich wirklich passiert ist. Nicht weil nichts passiert wäre. Sondern weil wir nicht angehalten haben, es zu bemerken.

Der Hintergrund dieser Arbeit trägt diese Erfahrung in seiner ganzen Wucht. Tiefes Gelb und Grün, aufgeladenes Rot und Orange, durchbrochen von grünen Momenten der Zuversicht, das ist kein dekoratives Farbfeld. Das ist die Gefühlsebene eines vollen Tages in seiner ganzen unkontrollierten Simultaneität. Energie und Erschöpfung. Antrieb und Druck. Lebendigkeit und das leise Gefühl, sich selbst gerade zu verpassen. All das ist im Hintergrund eingefangen, roh, intensiv und vollkommen ehrlich.

Aus diesem emotionalen Farbraum heraus habe ich das Wort freigestellt. Mit Weiß. Das Weiß steht in meinen Arbeiten immer für Gelassenheit, Freiheit und Identität.

Und hier, in dieser Arbeit, ist das Weiß nicht der Rahmen des Motivs, es ist das Motiv selbst. STOP entsteht nicht durch Hinzufügen, sondern durch Freilegen. Durch das beherzte Wegnehmen des Überflüssigen, um das Wesentliche sichtbar zu machen. Das ist das Prinzip meiner Freistellerei, und es ist zugleich das Prinzip der Reflexion: Wir müssen nicht mehr tun. Wir müssen kurz aufhören, um zu sehen, was wirklich da ist.

Gelassenheit und Reflexion bedeuten nicht, den Tag zu löschen oder das Bunte des Erlebens zu überdecken. Sie bedeuten, den Tag bewusst durchscheinen zu lassen. Kurz innezuhalten und wahrzunehmen, was gerade in einem vorgeht. Was einen beschäftigt. Was einen antreibt. Was man noch einmal anders machen möchte.

Diese Momente müssen nicht lang sein. Oft reichen wenige Minuten, ein tägliches STOP, um den Kontakt zu sich selbst nicht zu verlieren.

Die kräftigen schwarzen Linien, die die Lettern formen und gliedern, stehen für die kognitive Ebene. Sie sind der Verstand, der sich meldet, sobald er Raum bekommt. Der erkennt, sortiert und Orientierung schafft, mitten in der Fülle des emotionalen Hintergrunds.

Ohne diesen bewussten Moment, ohne diesen täglichen STOP, bleibt der Verstand stumm im Rauschen des Tages.

Wer vor dieser Arbeit steht und das Wort liest, hat bereits begriffen, worum es geht. Denn das Lesen selbst ist ein Innehalten. Ein kurzes, stilles Heraustreten aus dem Strom. Genau das ist gemeint. Nicht der große Bruch, nicht die aufwendige Auszeit. Sondern der kleine, regelmäßige Moment der Rückkehr zu sich selbst. Ein STOP. Täglich. Bewusst. Als fester Bestandteil eines Lebens, das man wirklich leben möchte.

Arbeit 283 stop
Meine Originale werden in einem selbstentwickelten Acrylglasssandwich gerahmt
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