Nr. 299 / weißverwandelnd / 36×48 cm / 2026 / Acryl auf Acrylpapier mit Leinenstruktur
Weißverwandelnd heißt: stark genug sein, um sich verändern zu lassen, ohne sich dabei zu verlieren.
Eine breite weiße Bahn zieht als Diagonale von rechts unten nach links oben durch das Bild und hält die ganze Arbeit zusammen.
Sie ist keine dünne Schicht, sondern hat Masse und Gewicht, und das Licht findet in ihren langen Graten und feinen Rillen unzählige Abstufungen, sodass aus der Nähe immer neue Einzelheiten sichtbar werden.
Links steht ein dunkles, gedämpftes Olivgrün, rechts ein sattes Grün und dazu treten zwei kleine leuchtende Grünflächen am Rand.
Im oberen Drittel geschieht das Entscheidende, denn dort tritt ein Bündel heller grüner Züge in die weiße Bahn ein und läuft in ihr weiter. Das ist die einzige Stelle der Arbeit, an der sich zwei Zonen wirklich berühren statt nur nebeneinanderzuliegen.
Das Weiß wehrt diese Berührung nicht ab und wird durch sie auch nicht zu einem anderen, es nimmt die fremde Farbe auf und bleibt dabei erkennbar es selbst.
Die Kanten zwischen den Zonen kippen beim Sehen zwischen zwei Lesarten, mal wirken sie wie eine flache Teilung der Fläche, mal wie Kanten eines Raums, in dem die weiße Bahn wirklich steht, und aus diesem Wechsel entsteht ein Gespräch zwischen der Arbeit und ihrem Gegenüber.
Gelassenheit zeigt sich hier als die Ruhe, mit der die Bahn diese Veränderung zulässt, statt sich gegen sie zu verschließen.
Wer vielleicht heute vor etwas Schwerem steht, findet hier vielleicht dies: Was von außen in dich hineinreicht, macht dich nicht zu einem anderen Menschen, es kommt zu dir hinzu und wird Teil deiner eigenen Spur.