Nr. 303 / weißverbunden / 55×60 cm / 2026 / Acryl auf Acrylpapier mit Leinenstruktur #Wörter mit weiß
Weißverbunden heißt: Zwei Geschichten, die getrennt beginnen und gemeinsam stärker weitergehen.
Von oben laufen zwei breite weiße Bahnen aufeinander zu, die linke in einem weiten Bogen herab, die rechte schräg aus der Ecke herein. In der unteren Bildhälfte werden sie zu einer einzigen Identität, der nach unten breit ausläuft.
Die Naht dieser Begegnung bleibt als feiner Grat sichtbar, denn beide Herkünfte verschwinden nicht, sie bleiben Teil des Ganzen.
Das Weiß ist dabei keine dünne Schicht, sondern hat Masse und Gewicht, und das Licht findet in seinen langen Graten und flachen Wülsten unzählige Abstufungen, sodass aus der Nähe immer neue Einzelheiten sichtbar werden.
Das leuchtende Orange und das frische Grün ringsum stehen für meine eigene Identität. Ihre Formen sind nirgends gerade, sondern geschwungen und organisch, wie Blattwerk, wie Wasser, wie etwas, das wächst, und genau darin zeigt sich das Leben selbst.
Keine dieser Kanten verläuft so, wie ein Lineal sie gezogen hätte, und doch fügt sich alles zu einer stimmigen Ordnung.
Beim Betrachten kippen diese Kanten zwischen zwei Lesarten, mal wirken sie wie eine flache Teilung der Fläche, mal wie Kanten eines Raums, in dem der weiße Körper wirklich steht, und aus diesem Wechsel entsteht ein Gespräch zwischen der Arbeit und ihrem Gegenüber.
Die Verbindung in der Mitte wächst aus diesem lebendigen Rahmen heraus, sie ist nicht gegen ihn gesetzt, sondern von ihm getragen.