Arbeit 247 Wuerde vor Besitz

Nr. 247 / Würde vor Besitz / 36×48 cm / 2025 / Acryl auf Acrylpapier mit Leinenstruktur

Die Arbeit Würde vor Besitz aus der Werkreihe Himmelskörper verdichtet das Märchen der Sterntaler zu einer stillen, radikalen Ethik.

Die Figur des Mädchens ist nicht gemalt, sie ist dem Himmel entnommen, ausgestanzt, freigestellt, ihrer materiellen Umgebung entzogen. Ihr Schlagschatten verleiht ihr eine eigene Ebene, als existiere sie zwischen Welt und Idee, zwischen Körper und Haltung. Die Arbeit zeigt keinen Menschen im Raum, sondern eine moralische Figur im Übergang.

Der Himmel ist makellos, wolkenlos, beinahe unberührt. Er wirkt nicht wie ein Naturraum, sondern wie eine ethische Projektionsfläche. In ihn sind die Sterne eingelassen, nicht als Dekoration, sondern als Konsequenz.

Sie fallen nicht dramatisch, sie erscheinen leise als Antwort, nicht als Versprechen. Silber wird hier nicht als Reichtum lesbar, sondern als Zeichen innerer Integrität. Der Himmel gibt zurück, was nicht eingefordert wurde.

Die Hintergrundebene innerhalb der Figur ist von besonderer Bedeutung. Sie zeigt eine zweite, fast verletzliche Schicht: warm, fragil, durchscheinend. Diese innere Landschaft lässt die Figur nicht leer erscheinen, sondern erfüllt – als sei der Verzicht kein Verlust, sondern eine Freilegung.

Die Arbeit macht sichtbar, dass Würde nicht aus Besitz erwächst, sondern aus einer Haltung, die nichts festhält.

Der Leuchtturm am Horizont ist klein, fast beiläufig, und doch präzise gesetzt. Er steht nicht für Rettung, sondern für Orientierung. Er leuchtet nicht der Figur den Weg, sondern erinnert den Betrachter daran, dass es auch ohne Absicherung Richtung geben kann. Vertrauen ersetzt hier Planung, Hingabe ersetzt Strategie.

Würde vor Besitz kehrt die Logik der Welt um. Armut ist kein Defizit, sondern Voraussetzung für eine andere Form von Reichtum.

Die Arbeit behauptet nicht, sie lädt ein. Sie erzählt von einer transzendenten Gerechtigkeit, die sich rational nicht begründen lässt, aber emotional erfahrbar wird. Wahrer Reichtum, so flüstert diese Arbeit, entsteht dort, wo nichts mehr gehalten wird und alles möglich wird.

 

Arbeit 247 wuerdevorbesitz
Rahmung und Lieferung im Acryglassandwich
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