Arbeit 248 Wo jede Richtung recht hat

Nr. 248 / Wo jede Richtung Recht hat / 36×48 cm / 2025 / Acryl auf Acrylpapier mit Leinenstruktur.

Die Arbeit Wo jede Richtung Recht hat gehört zur Werkreihe Himmelskörper und entfaltet ihre Wirkung aus einem leisen, aber tiefgreifenden Widerspruch.

Im Zentrum steht ein Kompass, ein uraltes Instrument der Orientierung, der seine verlässliche Funktion verloren hat.

Alle Himmelsrichtungen tragen denselben Buchstaben. Norden vervielfacht sich, bis er bedeutungslos wird. Das wirkliche Norden fällt ins Leere. Orientierung existiert hier nicht mehr als Ziel, sondern nur noch als Behauptung.

Die Arbeit lebt von der Spannung zwischen zwei Perspektiven. Der Kompass ist frontal und bestimmt gesetzt, beinahe technisch, während der Himmel dahinter eine andere Logik verfolgt.

Der rosafarbene Himmel wirkt weich, offen und entgrenzt. Er verweigert jede klare Verortung und widerspricht der Strenge des Instruments. Diese diametrale Beziehung erzeugt ein Gefühl von Schweben und Irritation, als würden zwei Wirklichkeiten gleichzeitig existieren, ohne sich berühren zu können.

Besonders eindrücklich ist die innere Ebene des Kompasses. Statt klarer Markierungen oder geordneter Flächen zeigt sich eine fragile, fast verletzliche Hintergrundstruktur. Farbverläufe, Brüche und Überlagerungen lassen an innere Landschaften denken. Zweifel, Zerrissenheit und das Ringen um Halt sind hier eingeschrieben. Der Kompass wird zu einem Spiegel innerer Zustände, nicht zu einem Werkzeug äußerer Navigation.

Der rosa Himmel verstärkt diese Lesart. Er ist kein romantischer Zufluchtsort, sondern ein künstlich anmutender Raum, der Vertrautheit simuliert und zugleich Distanz erzeugt.

Die Arbeit spricht von einer Welt, in der Orientierung nicht mehr aus festen Koordinaten entsteht, sondern aus konkurrierenden Wahrheiten. Wo jede Richtung recht hat, verliert das Richtige seine Kontur.

So wird die Arbeit zu einer poetischen Reflexion über das Suchen im Zeitalter der Überlagerungen. Sie lädt nicht dazu ein, eine Richtung zu wählen, sondern das eigene Bedürfnis nach Richtung zu hinterfragen. Der Blick bleibt hängen zwischen Instrument und Himmel, zwischen Anspruch und Zweifel, zwischen Ordnung und Auflösung.

 

Arbeit 248 wojederichtungrechthat
Rahmung im Acrylglassandwich
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