Arbeit 250 Das Einverstaendnis mit dem Lauf der Dinge 1

Nr. 250 / Das Einverständnis mit dem Lauf der Dinge / 50×65 cm / 2026 / Acryl auf Acrylpapier mit Leinenstruktur. #Gelassenheiten und Freiheit

Diese Arbeit aus der Werkreihe Gelassenheiten und Freiheit entfaltet sich wie eine leise Choreografie. Nichts hier scheint festgelegt, und doch wirkt alles in einer inneren Ordnung verbunden.

Die Arbeit lädt nicht zum Festhalten ein, sondern zum Mitgehen. Sie fordert kein Ziel, sondern ein Einverständnis.

Das Weiß dominiert die Arbeit, jedoch nicht als Leere, sondern als atmender Raum. Es legt sich wie eine ruhige Bewegung über das Bild und läßt durch seine offenen Partien den farbigen Hintergrund hindurchscheinen.

Diese Durchlässe sind die eigentlichen Akteure der Komposition. Sie sind unregelmäßig verteilt, rhythmisch verschoben, nie symmetrisch und dennoch ausgewogen. In ihrer Anordnung entsteht ein tänzerischer Fluss, der an Bewegungen erinnert, die sich dem Takt des Moments anpassen.

Die Komposition folgt keiner strengen Geometrie, sondern einer organischen Logik des Sich-Fügens.

Die Farben im Hintergrund wirken wie emotionale Impulse, die aus der Tiefe aufsteigen. Rottöne, Violett, Gelb und gebrochene Grünakzente überlagern sich, stoßen aneinander, ziehen sich zurück. Sie stehen für das Unvorhersehbare des Lebens, für Stimmungen, Brüche und plötzliche Wendungen. Nichts ist hier rein oder abgeschlossen. Die Farbebenen bleiben sichtbar, verletzlich, offen.

Dem gegenüber steht das Weiß als kognitive Ebene. Es beruhigt, ordnet nicht, sondern akzeptiert. Das Weiß überdeckt nicht, sondern lässt geschehen. Es ist keine Kontrolle, sondern Zustimmung. In dieser Spannung zwischen farbiger Gefühlsebene und weißer Gelassenheit entfaltet die Arbeit ihre innere Bewegung.

Die Arbeit erzählt vom Leben als Tanz, nicht als Choreografie. Von Schritten, die erst im Gehen entstehen. Von einer Haltung, die nicht fragt, was als Nächstes kommt, sondern bereit ist, mitzuschwingen.

Das Einverständnis mit dem Lauf der Dinge ist kein Rückzug, sondern eine aktive Form von Freiheit. Eine Freiheit, die nicht gegen das Leben arbeitet, sondern mit ihm.

Kulturelle Kontextualisierung

Wir leben in einer Gesellschaft, die Kontrolle als höchste Tugend feiert: Kontrolle über Zeit, über Körper, über Karriere und über das Leben selbst, und die dabei zunehmend vergisst, dass die tiefgreifendsten menschlichen Erfahrungen genau dort beginnen, wo Kontrolle endet. „Das Einverständnis mit dem Lauf der Dinge“ ist für mich keine Einladung zur Passivität, sondern der vielleicht mutigste kulturelle Akt unserer Zeit: der bewusste Entschluss, das Leben nicht zu besiegen, sondern mit ihm zu tanzen. Wer diesen Schritt wagt, gewinnt nicht weniger Freiheit, sondern eine tiefere, weil er aufhört, gegen sich selbst zu kämpfen.

Politische Kontextualisierung

Der Klimawende-Ausblick 2026 macht deutlich, dass das Erreichen von Klimaneutralität bis 2045 in Deutschland wenig realistisch ist, solange Politik und Gesellschaft den notwendigen Wandel als Bedrohung erleben statt als Bewegung, der man sich anschließen kann. „Das Einverständnis mit dem Lauf der Dinge“ stellt genau diese Grundfrage: Wäre eine ökologische Transformation nicht leichter, wenn wir aufhörten, gegen den Wandel zu kämpfen, und stattdessen anfingen, mit ihm zu gehen? Eine freie, liberale und ökologisch denkende Gesellschaft braucht keine Angst vor dem Fluss der Dinge, sie braucht den Mut, sich von ihm tragen zu lassen.

Arbeit 250 Das Einverstaendnis mit dem Lauf der Dinge
Meine Originale werden in einem selbstentwickelten Acrylglasssandwich gerahmt
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