Arbeit 275 Weissfelder 5 Trauma canva

Nr. 275 / Weißfelder 5 – Trauma / 50×65 cm / 2026 / Acryl auf Acrylpapier mit Leinenstruktur

Es gibt Arbeiten, die sich dem Betrachter nicht öffnen. Sie verlangen etwas. Sie fordern ihn auf, standzuhalten. „Weißfelder 5 – Trauma“ ist eine solche Arbeit.

Der violett gehaltene Hintergrund dieser Arbeit ist kein Zufall. Violett ist die Farbe des Erinnerten, des tief im Körper Gespeicherten.

Es ist keine Farbe der Bewegung, sondern eine Farbe des Verharrens, ein emotionales Gedächtnis, das sich nicht einfach auflöst.

Über diesem Hintergrund entfaltet sich in breiten, wuchtigen Pinselzügen ein Gewebe aus Blau und Weiß, das die gesamte Bildfläche bespannt und in einer fast tektonischen Dichte aufeinandertrifft.

Die Komposition kennt keine Ruhe. Jeder Strich kreuzt den nächsten, schiebt sich über ihn oder drängt ihn beiseite. Was hier entsteht, ist kein Chaos im oberflächlichen Sinne, sondern das präzise Abbild eines physiologischen Zustands: des Körpers, der nicht aufhört zu reagieren, obwohl der Auslöser längst vergangen ist.

Genau das ist Trauma. Der Körper verharrt in einer Schreckreaktion, die kein Ende kennt, weil er keinen Weg zurück findet. Diese Arbeit macht diesen Zustand sichtbar, ohne ihn zu dramatisieren. Sie beschreibt ihn mit den Mitteln der Malerei so präzise, wie es Worte nicht könnten.

Und doch: Die weißen Felder in dieser Arbeit tragen eine andere Qualität. Sie stehen für mich, wie in der gesamten Werkreihe, für Gelassenheit, Freiheit und Identität. Aber hier sind sie noch kein weiter Horizont. Sie brechen sich durch die blauen Schichten hindurch, blitzen auf, schieben sich vor, ziehen sich wieder zurück.

Sie sind nicht Auflösung, sondern Anfang einer Integration. Man könnte sagen, sie sind das erste Atemholen nach langem Tauchen. Die Integration des Traumas, die mühsame, langsame, manchmal kaum spürbare Rückkehr zu sich selbst, ist hier nicht als Ergebnis dargestellt, sondern als Prozess. Als Ringen.

Was diese Arbeit kompositorisch für mich so stark macht, ist die Spannung zwischen ihrer Energie und ihrer Verdichtung. Die Pinselzüge aus tiefem Marineblau und hellem Cyanblau verlaufen in keiner gemeinsamen Richtung. Sie schlagen aus, kreisen, überkreuzen sich in einem Gefüge, das an ein Netz erinnert, an etwas Einfangendes.

Und doch liegt in den weißen Passagen, die immer wieder durch dieses Netz hindurchscheinen, eine stille, beinahe trotzige Präsenz. Es ist die Präsenz dessen, der sich nicht endgültig verloren hat.

Ich habe diese Arbeit gemalt, weil ich weiß, was es bedeutet, wenn der Körper eine Sprache spricht, die man nicht versteht, und weil ich erleben durfte, dass Verstehen möglich wird.

Langsam. Mit jedem weißen Feld, das entsteht, kann ich wieder mehr fühlen von dem, was ich fühlen will.

Arbeit 275 weissfelder5 trauma
Meine Originale werden in einem selbstentwickelten Acrylglass Sandwich gerahmt
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