Arbeit 282 Der naechste Entwurf canva

Nr. 282 / Der nächste Entwurf / 48×36 cm / 2026 / Acryl auf Acrylpapier mit Leinenstruktur. #Gelassenheiten und Freiheit

Ein Entwurf ist nie fertig. Er ist immer ein Versprechen an das, was noch kommen kann. Genau das erzählt diese Arbeit, mit einer kompositorischen Entschiedenheit, die mich selbst noch überrascht, wenn ich vor ihr stehe.

Die Bildfläche gliedert sich in zwei Zonen, die nicht trennen, sondern in einen Dialog treten. Die linke Bildhälfte ist das chromatische Archiv eines gelebten Lebens.

Tiefes Magenta und warmes Rosa schichten sich über leuchtendem Gold und Ocker, durchdrungen von kraftvollem Blau und dem Glühen von Orange und Rot. Das ist die Gefühlsebene in ihrer ganzen ungefilterten Wahrheit: all die Rollen, die wir gespielt haben, all die Geschichten, die wir uns über uns selbst erzählt haben, all die Energie, die wir in Bilder von uns investiert haben, die längst zu eng geworden sind.

Diese Farben drängen und verschieben sich. Sie pulsieren. Und genau das ist ihre Aufgabe. Sie repräsentieren nicht das Vergangene als Last, sondern als lebendige Substanz dessen, was uns geformt hat.

Dann öffnet sich die rechte Bildhälfte. Mit der Ruhe eines bewussten Entschlusses breitet sich das Weiß aus. In meinen Arbeiten steht Weiß immer für Gelassenheit, Freiheit und Identität. Hier ist es vor allem eines: Möglichkeitsraum.

Keine leere Fläche, sondern ein texturierter, lebendiger, atmender Bereich, der nicht wartet, sondern einlädt. Er sagt: Du darfst hier weiterschreiben. Du darfst dich neu entwerfen. Nicht als Verleugnung dessen, was links von dir liegt, sondern als dessen nächste, mutige Fortsetzung.

Was die Komposition dieser Arbeit jedoch zu etwas Besonderem macht, sind die horizontalen weißen Bänder, die beide Zonen verbinden und ruhig durchqueren. Sie legen sich wie stille Schneisen quer durch das emotionale Gewirr des linken Feldes und setzen sich mit derselben Gelassenheit in den weißen Bereich fort.

Diese Bänder sind keine Trennlinien und keine Mauern. Sie sind Brücken. Sie zeigen, dass der nächste Entwurf des eigenen Lebens nicht bei null beginnt. Er beginnt dort, wo man bereit ist, das Gewesene als Fundament zu sehen und nicht als Grenze.

Und dann sind da die Durchlässe im weißen Bereich, jene präzise gesetzten rechteckigen Öffnungen am rechten unteren Rand der Arbeit, durch die das farbige Emotionale hindurchleuchtet.

In ihrer Zurückhaltung liegen sie fast verborgen, und doch erzählen sie die vielleicht wichtigste Geschichte dieser Arbeit. Gelassenheit und Freiheit überdecken das Erlebte nicht. Sie filtern es. Das Bunte des Lebens, die ganze Intensität des Erfahrenen, bleibt sichtbar und darf durchscheinen. Als Quelle. Als Erinnerung. Als Energie. Ohne uns zu definieren.

Sich neu zu erfinden heißt nicht, sich zu verlieren. Es heißt, sich zu erweitern. Der nächste Entwurf ist kein Bruch. Er ist die mutigste Form der Kontinuität.

Kulturelle Kontextualisierung

Wir leben in einer Zeit, in der immer mehr Menschen ihre berufliche Identität, ihre Lebensform oder ihre Werte grundlegend neu ausrichten, oft nach einer Krise, einem Einschnitt oder einfach dem Gefühl, dass das bisherige Leben zu eng geworden ist. Diese Arbeit zeigt, dass ein solcher Neuanfang kein Bruch mit dem Vergangenen sein muss, sondern dessen mutigste Fortsetzung. Das Gewesene ist kein Ballast, sondern das Fundament, auf dem der nächste Entwurf erst möglich wird.

Politische Kontextualisierung

Viele politische Systeme und Institutionen stehen gerade vor der Frage, ob sie sich erneuern können, ohne ihre Substanz zu verlieren. Diese Arbeit gibt darauf eine klare visuelle Antwort: Erneuerung bedeutet nicht, das Vergangene zu tilgen, sondern es als Energie und Erfahrung mitzunehmen und trotzdem einen neuen Raum zu öffnen. Gesellschaften, die das schaffen, sind widerstandsfähiger als solche, die entweder in starren Strukturen verharren oder alles Bisherige verwerfen.

Arbeit 282 dernaechsteentwurf
Meine Originale werden in einem selbstentwickelten Acrylglasssandwich gerahmt
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