Nr. 244 / Algorithmus der Versuchung / 36×48 cm / 2025 / Acryl auf Acrylpapier mit Leinenstruktur. #Himmelskörper
Diese Arbeit gehört zur Werkreihe Himmelskörper und steht exemplarisch für den Transatmosphärischen Realismus, der den Himmel nicht als Kulisse, sondern als Denkraum versteht. Hier öffnet sich dieser Raum für eine der ältesten Metaphern der Menschheit – den Apfel – und konfrontiert sie mit den subtilen Mechanismen digitaler Verführung.
Der Apfel, nach vorn geneigt und gleichzeitig in den Himmel gestanzt, scheint zugleich vertraut und fremd. Seine orange-gelben Schattierungen pulsieren wie energetische Signale, als wäre er nicht gewachsen, sondern generiert. Die Fläche flimmert wie ein Bild, das aus mehreren Ebenen zusammengesetzt wurde, Fragmente eines Codes, der organische Form imitiert. In dieser vibrierenden Textur liegt die Spannung der Arbeit: Der Apfel verliert seine Natürlichkeit und wird zum Interface.
Die klare Silhouette, schwarz konturiert, bildet eine Grenze, die im Inneren wieder aufbricht. Die innere Schattenebene verläuft diametral zur äußeren Apfelform, wie ein Widerspruch, der sich selbst sichtbar macht. Sie wirkt wie ein invertiertes Echo, ein Hinweis darauf, dass das, was wir für „echt“ halten, längst durch algorithmische Muster überschrieben wird. Versuchung entsteht nicht mehr durch Fruchtfleisch, sondern durch Reizlogik.
Der Himmel, in kühlen Blau- und Weißtönen gehalten, dient hier nicht der Beruhigung. Er ist eine Projektionsfläche. Sie ist weit, absorbierend und zugleich anonym. In dieser Weite schwebt der Apfel wie ein Datenpaket, das seine Herkunft verlor. Der Himmel wird zum Speicherraum, in dem Bedeutungen verschoben, rekodiert und neu zusammengesetzt werden.
Diese Arbeit führt in eine Welt, in der oft das Natürliche zur Simulation geworden ist. Die Versuchung des Apfels ist nicht mehr die biblische Einladung zum Wissen, sondern die stille Verführung eines Algorithmus, der Bedürfnisse täuscht. Die Arbeit zeigt, wie brüchig die Grenze zwischen Natur und digitaler Erfindung geworden ist und wie sehr sich Wahrnehmung von Echtheit in Schichten löst.
„Algorithmus der Versuchung“ fragt, wie wir dem Blick trauen können, wenn selbst archetypische Symbole beginnen, wie synthetische Wesen zu wirken. Und sie erinnert daran, dass Versuchung heute oft dort entsteht, wo etwas so tut, als wäre es wahr.