Himmelskörper soll wie eine Antwort wirken auf unser kulturelles Klima, in dem viele Menschen spüren, dass die äußere Welt zu dicht, zu schwer, zu widersprüchlich und zu funktional geworden ist. Himmelskörper eröffnet, dem entgegengestellt, Räume der Schwebe, des Innehaltens und der Bedeutungsauflösung.
Meine Wahrnehmung von Bedürfnissen der Menschen in unserer Zeit:
- Menschen haben das Bedürfnis nach innerer Weite in einer Zeit, die als eng, laut und überformt empfunden wird.
- Menschen haben das Bedürfnis nach Durchlässigkeit: zwischen Innen und Außen, zwischen Funktion und Bedeutung.
- Menschen haben das Bedürfnis nach einem Ort, an dem Gedanken, Gefühle und Identität nicht festgelegt, sondern geöffnet werden.
- Menschen haben das Bedürfnis nach einem Bewusstseinsraum jenseits von Schwerkraft, Nützlichkeit und Geschwindigkeit.
- Menschen haben das Bedürfnis nach sanfter Selbstreflexion, ohne Pathos und ohne moralischen Druck.
- Menschen haben das Bedürfnis nach einer anderen Wahrnehmung des Alltäglichen, die das Gewohnte entgrenzt.
- Menschen suchen heute nach einer inneren Orientierung, die nicht aus äußeren Regeln oder schnellen Antworten entsteht. Sie wünschen sich eine Form der Hoffnung, die nicht naiv ist, sondern aus Klarheit, Selbstreflexion und innerer Weite wächst.
Die Arbeiten meiner Werkreihe sind vielleicht ein bisschen wie eine resonierende Membran, in der Motive aus dem Alltag ihre physische Bindung verlieren, um innere, emotionelle oder existenzielle Zustände sichtbar zu machen. Der Himmel fungiert nicht als Landschaft, sondern als Denkraum mit Leichtigkeit.
Himmelskörper zeigt auch, wie fragile Strukturen Halt geben können, wie Schwebe zu neuer Ausrichtung führt und wie der Himmel als Bewusstseinsraum ein leises Versprechen enthält, dass gute Veränderung möglich bleibt.
Ich nenne es: Transatmosphärischer Realismus
Die Werkreihe Himmelskörper ist meine poetische Weiterentwicklung der Werkreihe Freisteller und sie ist von den Arbeiten Renè Magrittes beeinflusst, der mich schon zu Schulzeiten sehr beeindruckt hat. Die Werkreihe ist zugleich ein neuer, poetischer Blick in den Himmel.
In meinen Arbeiten wird der Himmel nicht mehr nur als Hintergrund verstanden, sondern als Bewusstseinsraum, als Ort, an dem sich das Sichtbare und das Unsichtbare begegnen. Er wird zum Denkraum, in dem Form, Identität und Schwerkraft verhandelt werden können.
In den ersten Arbeiten dieser Reihe „Der Schirm, der den Regen vermisst„ und „Schwerkraft ist auch nur eine Meinung“ zeigt sich diese Idee in zwei scheinbar alltäglichen Motiven, die sich ihrer Funktion entziehen. Der Schirm verliert seine Schutzaufgabe und verwandelt sich in ein Symbol der Sehnsucht. Die Katze, Sinnbild für Erdverbundenheit und Selbstständigkeit, schwebt in einem Himmel aus Gedanken und Leichtigkeit. Beide Arbeiten lösen das Bekannte aus seiner Bedeutung und öffnen es für neue, innere Lesarten.
Wie bei Magritte ist der Himmel hier kein Naturphänomen, sondern ein Zustand. Er dringt in die Figuren ein, ersetzt Materie durch Möglichkeit und Schwere durch Schwebe. So entstehen Zwischenräume und Orte, an denen sich die Grenzen von Ich und Welt, von Funktion und Bedeutung, von Erinnerung und Gegenwart auflösen.
Himmelskörper untersucht die Freiheit jenseits der Schwerkraft, die Freiheit des Denkens und Fühlens. Jede Arbeit dieser Reihe trägt in sich die stille Frage, was geschieht, wenn wir das Festhalten aufgeben. Der Himmel wird dabei zum inneren Spiegel: offen, unendlich und zugleich fragil.
Diese Werkreihe ist ein Plädoyer für die Durchlässigkeit der Wahrnehmung. Sie erinnert daran, dass das, was wir für fest und sicher halten, oft nur die Oberfläche eines grenzenlosen Inneren ist, wie ein kurzer, farbiger Moment in einem unendlichen Himmel aus Bewusstsein.