Arbeit 263 dot Orgelspieler canva

Nr. 263 / Orgelspieler / 36×48 cm / 2026 / Acryl auf Acrylpapier mit Leinenstruktur. #Gelassenheiten und Freiheit

Wenn du meine Arbeit „Orgelspieler“ ansiehst, siehst du vielleicht zuerst den Hintergrund: ein warmes Flirren aus Honiggelb, Glut-Orange und zartem Rosa, von feinen Rissen und Linien durchzogen wie ein Nervensystem der Gefühlsebene.

Dazwischen blitzen kühle Grün- und Blauinseln auf – als würde das Leben selbst Register ziehen: mal leuchtend, mal herb, mal unerwartet.

Über diese Unruhe lege ich das Weiß. Es ist keine Leerstelle, sondern Gelassenheit als Bildarchitektur – ein stilles Atemholen, das dir überhaupt erst erlaubt, die Möglichkeiten im Hintergrund zu erkennen.

Die langen senkrechten Durchlässe schneiden den Raum wie Orgelpfeifen: Sie geben Rhythmus, Haltung, Ausrichtung und Resonanz. Du kannst sie wie eine kognitive Partitur lesen – klar, wiederholend, souverän. Die Orgel mit Ihrer Vielfalt und Möglichkeiten steht hier für unser vielfältiges Leben.

Dann tritt der Orgelspieler hervor: ein runder Durchlass als Kopf, schmale, bündelnde Öffnungen wie Hände im Spiel.

Und plötzlich wird die Arbeit zur Metapher für Führung im eigenen Leben: So wie die Orgel dem Orgelspieler folgt, folgt das Leben deinen Gedanken und Handlungen – nicht brav, aber präzise.

Einige Felder wirken wie Pedalwege und Manuale: Sie erinnern dich daran, dass Gelassenheit nicht Passivität ist, sondern ganzer Körpereinsatz – Hände, Füße, Konzentration.

Wenn du länger schaust, hörst du vielleicht fast einen Klang: nicht laut, sondern tragfähig.

Eine Orgel kennt keinen Mutverlust – sie wartet nur auf dein Spiel. Genau dort fokussiert meine Werkreihe „Gelassenheiten und Freiheit“: im Moment, in dem du die Unruhe des Lebens nicht bekämpfst, sondern sie zum Resonanzraum deiner Souveränität und Gelassenheit machst.

Kulturelle Kontextualisierung

In einer Zeit, in der viele Menschen das Gefühl haben, von äußeren Umständen gespielt zu werden statt selbst zu spielen, stellt diese Arbeit eine kraftvolle Gegenfrage: Was wäre, wenn du derjenige bist, der die Register zieht? Die Orgel als Instrument steht seit Jahrhunderten für Komplexität, Vielschichtigkeit und Meisterschaft, und genau das macht sie zum richtigen Symbol für ein Leben, das man nicht vereinfacht, sondern souverän gestaltet. Gelassenheit ist hier kein Rückzug, sondern ganzer Körpereinsatz.

Politische Kontextualisierung

Politische Führung wird heute oft mit der Fähigkeit verwechselt, Lärm zu erzeugen statt Klang, Druck auszuüben statt Resonanz zu schaffen. Diese Arbeit erinnert daran, dass wirkliche Gestaltungskraft aus dem präzisen Zusammenspiel vieler Stimmen entsteht, nicht aus dem Solisten, der alle anderen übertönt. Eine Demokratie, die das beherrscht, klingt nicht nach Kakophonie, sondern nach einem Instrument, das gespielt wird.


Arbeit 263 orgelspieler
Meine Originale werden in einem selbstentwickelten Acrylglasssandwich gerahmt
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