Die Arbeit „Die ungespielte Wahrheit“ zeigt sich wie ein leises Innehalten, ein Moment zwischen Möglichkeit und Zurückhaltung. Die Violine liegt nicht einfach im Raum, sie ist in den Himmel gehoben und durch ihren klar gesetzten Schlagschatten entsteht eine zweite Ebene; eine Art seelische Zwischenschicht. Diese Schattenebene wirkt wie der Resonanzraum innerer Wahrheiten, jener Ort, an dem Gedanken vibrieren, bevor sie ausgesprochen oder gespielt werden. Der Bogen, diagonal darübergelegt, markiert keine Bewegung, sondern eine Schwelle. Er wirkt wie ein Strich durch eine unausgesprochene Zeile, ein Hinweis darauf, dass Klang und Wahrheit manchmal warten müssen, bevor sie Gestalt annehmen dürfen. Diese Geste macht die Violine zu einem Symbol für die Zurückhaltung, die wir im Angesicht von Verletzlichkeit empfinden. Im Korpus des Instruments pulsieren warme orangene Akzente. Sie stehen für die kreative Energie, die bereitsteht, aber noch nicht freigesetzt wird – wie eine Glut unter der Oberfläche. Der Himmel, mit seinen fließenden Wolken und weiten Strukturen, bildet den offenen Raum, in dem diese innere Spannung sichtbar wird. Er ist nicht rein dekorativer Hintergrund, sondern die äußere Welt, in der sich innere Wahrheiten bewähren müssen. Die Violine in ihrer schattenumrandeten Schwebeposition scheint in ihn hineinzuhorchen, als suche sie nach dem richtigen Moment für ihren ersten Ton. So verweist die Arbeit auf die fragile Schönheit des Ungesagten. Auf jene Wahrheit, die bereits existiert, aber noch nicht erklingt. Eine Wahrheit, die wie die Violine selbst bereitliegt in zwei Ebenen zugleich und darauf wartet, dass jemand den Mut findet, den Bogen zu heben.

Nr. 241 / Fläche für gute Miene / 48×36 cm / 2025 / Acryl auf Acrylpapier mit Leinenstruktur. #Himmelskörper

Die Arbeit „Fläche für gute Miene“ zeigt ein Motiv, das sich wie ein paradoxer Gruß aus zwei Wirklichkeiten erhebt. Das Gebiss ist nicht einfach dargestellt, es ist in den Himmel gestanzt, als hätte die Atmosphäre selbst eine Öffnung preisgegeben, durch die ein innerer Zustand sichtbar wird.

Der Schlagschatten im Inneren verleiht dieser Ebene eine erstaunliche Tiefenwirkung. Er lässt das Gebiss zu einer Art seelischem Relief werden, einer ausgestanzten Kammer, in der sich Gefühle sedimentieren und doch unausweichlich nach außen drängen.

Die Arbeit spricht über das Lächeln als gesellschaftliche Pflichtübung. Das Gebiss wirkt wie eine Maske aus Zähnen, ein Monument sozialer Erwartungen, über dessen glatter Oberfläche sich die Brüche des Alltags abzeichnen. Ein einziger Goldzahn durchbricht dabei das gleichmäßige Raster wie ein bewusst gesetzter Akzent, ein kostbarer, vielleicht schmerzhafter Moment von individueller Wahrheit innerhalb eines normierten Grinsens.

Die Farbwelt im Inneren der Kontur pulsiert. Orange breitet sich aus wie ein vibrierender Strom kreativer Energie, fast so, als dränge die Lebendigkeit selbst durch die Zähne nach außen. Grün schlängelt sich dazwischen, eine stille Spur von Hoffnung und Zuversicht, die im Kontrast zum rigiden Schwarz der Umrisse fast trotzig wirkt. So entsteht ein emotionaler Zwischenraum, der die äußere Geste des Lächelns mit dem inneren Erleben verschaltet.

Der himmelblaue Hintergrund, durchzogen von zarten Wolkenstrukturen, erscheint wie die stille Bühne für diesen inneren Konflikt. Die Arbeit zeigt keinen Himmel, der frei ist, sondern einen, der markiert wurde. Die Öffnung, die das Gebiss hinterlässt, wirkt wie ein Riss im Firmament, ein Ort, an dem die Realität der Gefühle an die Oberfläche drängt.

Diese Arbeit lädt den Betrachter ein, das scheinbar harmlose Lächeln als fragiles Gleichgewicht zu lesen. Zwischen Haltung und Anpassung. Zwischen innerem Druck und äußerem Schein. Zwischen der Pflicht, „gute Miene“ zu machen, und dem Wunsch, einfach nur zu bestehen.

 

Arbeit 241 flaechefuergutemiene
Meine Originale werden in einem selbstentwickelten Acrylglasssandwich gerahmt
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