Der transatmosphärische Realismus geht davon aus, dass der Himmel mehr ist als Wetter oder ein schöner Hintergrund. Er steht für unseren inneren Raum: für Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und alles, was wir in uns tragen. Die Kunst dieser Richtung zeigt genau diesen inneren Raum; oft durch Dinge, die eigentlich alltäglich sind, aber hier eine neue Bedeutung bekommen.

Kuratorische Definition

Transatmosphärischer Realismus bezeichnet eine zeitgenössische künstlerische Praxis, die den Himmel als Bewusstseinsraum interpretiert und ihn zum zentralen Medium der Bedeutungs-bildung macht. Die Kunstrichtung untersucht die Auflösung von Schwerkraft (sowohl physisch als auch metaphorisch) und befreit alltägliche Motive von ihrer funktionalen Festlegung. Objekte, Silhouetten und Figuren erscheinen als durchlässige Membranen zwischen äußerer Welt und inneren Zuständen. Der Stil arbeitet mit Schwebe, Fragmentierung und Öffnung, um mentale, emotionale und existenzielle Möglichkeitsräume zu erkunden. Durch die Verknüpfung poetischer Bildlogik mit präziser visueller Setzung entsteht eine Bildsprache, in der Orientierung, Hoffnung und Identität nicht als stabile Größen, sondern als dynamische Zustände sichtbar werden. Transatmosphärischer Realismus versteht Kunst als Instrument der Durchlässigkeit und als Einladung, Wahrnehmungsmuster neu zu verhandeln.

Präambel des Transatmosphärischen Realismus

  • Der Himmel ist unser ältester Spiegel.
  • Er hat uns immer gezeigt, wie weit ein Gedanke reichen kann.
  • Der transatmosphärische Realismus kehrt zu diesem Spiegel zurück.
  • Doch er sucht nicht das Wetter, nicht das Licht, nicht die Ferne.
  • Er sucht den Raum, in dem das Sichtbare aufhört und das Innere beginnt.
  • Hier verliert die Schwerkraft ihre Macht.
  • Hier schwebt das Vertraute in einem Zustand der zweiten Bedeutung.
  • Hier verwandeln sich Dinge in Fragen, Schatten in Übergänge, Motive in Bewusstsein.
  • Das Schweben ist kein Entkommen, sondern ein Finden.
  • Eine neue Form der Orientierung, die aus Weite wächst.
  • Eine Hoffnung, die nicht verspricht, sondern öffnet.
  • Diese Kunst ist eine zarte Tektonik aus Wahrnehmung und Möglichkeit.
  • Ein Raum, der uns daran erinnert, dass jeder Himmel zugleich innen und außen existiert.

Transatmosphärischen Realismus – Kurzfassung

  1. Der Himmel ist ein innerer Raum, kein Naturphänomen.
  2. Schwerkraft ist eine mentale Konstruktion und darf aufgehoben werden.
  3. Vertraute Dinge werden ihrer Funktion entzogen und zu poetischen Trägern innerer Zustände.
  4. Konturen markieren Übergänge, nicht Grenzen.
  5. Durchlässigkeit prägt alles: Bedeutung, Identität, Wahrnehmung.
  6. Orientierung entsteht aus Weite, nicht aus Richtung.
  7. Hoffnung ist eine Haltung, keine Prognose.
  8. Zeit wird als Zustand verstanden, nicht als Ablauf.
  9. Fragilität besitzt ästhetische und psychologische Stärke.
  10. Kunst dient dem Loslassen und somit als Öffnung für neue Möglichkeitsräume.

Manifest

1. Der Himmel als Bewusstseinsraum

Er ist kein Wetter, keine Kulisse und keine Ferne. Er ist der Ort, an dem das Sichtbare seine Grenzen verliert und das Unsichtbare zu Form wird. Kunst im transatmosphärischen Sinn richtet ihren Blick nicht nach oben, sondern nach innen.
  • Der Himmel wird nicht als Naturraum verstanden, sondern als Denkraum.
  • Er steht für jene Sphäre, in der Sichtbares und Unsichtbares miteinander verhandelt werden.
  • Die Kunst verfolgt das Ziel, die Grenze zwischen Außen und Innen transparent zu machen.

2. Überwindung der Schwerkraft als Haltung

Was uns bindet, beschwert oder definiert, besitzt keine absolute Geltung. Die Kunst hebt diese Bindungen auf, nicht durch Flucht, sondern durch Bewusstheit. Schwere ist eine Erzählung, Schwebe ein möglicher Zustand.
  • Schwerkraft wird als Metapher für starre Bedeutungen, gesellschaftliche Erwartungen und psychologische Festlegungen aufgefasst.
  • Transatmosphärischer Realismus interessiert sich für den Moment, in dem diese Schwere ihre Gültigkeit verliert.
  • Das Schweben wird zum Symbol innerer Freiheit.

3. Das Bekannte wird befreit

Alltagsobjekte, vertraute Formen und gewohnte Bedeutungen lösen sich aus ihrer Funktion. Ein Schirm wird zur Sehnsucht, eine Rose zum Übergang, eine Katze zur Idee ihrer selbst. Die Kunst zeigt, was geschieht, wenn Dinge aus ihren Rollen treten.
  • Alltägliche Objekte verlieren ihre angestammte Funktion und erhalten eine neue, poetische Lesart.
  • Ein Schirm schützt nicht mehr, eine Katze gehorcht nicht mehr der Physik, eine Rose folgt nicht mehr der Logik des Blühens.
  • Die Kunst zeigt, was geschieht, wenn Gewohntes aus seiner Bedeutung gehoben wird.

4. Die Figur als Membran zwischen Welten

Sie sind Durchgänge zwischen Welt und Innerem, keine festen Körper. Konturen halten Möglichkeiten zusammen. In ihnen schimmert die Grenze, die weder trennt noch fixiert, sondern atmet.
  • Figuren, Objekte oder Silhouetten werden als Zwischenwesen behandelt.
  • Sie sind weder vollständig materiell noch vollständig geistig, sondern Schwellenformen.
  • Die Konturen markieren Übergänge zwischen Realität und Möglichkeit.

5. Durchlässigkeit als ästhetisches Prinzip

Der transatmosphärische Raum entsteht dort, wo Bedeutungen nicht verhärten. Himmel dringt in Formen ein, Formen dringen in Bewusstsein ein. Jede Fläche bleibt offen, jede Interpretation bleibt beweglich.
  • Die Kunst strebt danach, Dinge transparent zu machen: Bedeutung, Identität, Erinnerung.
  • Nichts ist festgefügt, alles kann in einen Zustand der Öffnung übergehen.
  • Der Himmel dringt in die Motive ein, ersetzt Materie durch Bewusstseinsräume.

6. Orientierung und Hoffnung

Die Kunst antwortet auf das Bedürfnis nach Klarheit in einer Zeit der Verdichtung. Orientierung zeigt sich hier nicht als Richtung, sondern als innere Weite. Hoffnung ist keine Behauptung, sondern eine Haltung, die aus Offenheit entsteht.
  • Ein Kernanliegen ist das Bedürfnis der Menschen nach Orientierung in einer Zeit, die als komplex, widersprüchlich und überladen empfunden wird.
  • Hoffnung entsteht hier nicht aus Flucht, sondern aus einer inneren Klarheit, die aus Schwebe, Reflexion und Leichtigkeit wächst.
  • Die Kunst bietet keine Antworten, sondern Räume, in denen man neu schauen kann.

7. Poetische Präzision statt formale Abstraktion

Der transatmosphärische Realismus wählt weder die reine Abstraktion noch die reine Abbildung. Er formuliert poetische Zustände mit der Genauigkeit eines Gedankens. Jede Arbeit ist eine präzise Frage an das eigene Bewusstsein.
  • Die Kunst vermeidet reine Abstraktion und reine Illustration.
  • Sie bewegt sich in einer Zone, in der das Poetische einen realistischen Kern hat.
  • Bilder sind nicht Träume, sondern präzise formulierte Zustände des Bewusstseins.

8. Die Auflösung der Grenze zwischen Innen und Außen

Der Himmel, die Figur, das Objekt bewegen sich ineinander. Die Kunst zeigt, dass Identität kein abgeschlossenes Gefüge ist, sondern ein fließender Prozess zwischen Welt und Ich.
  • Transatmosphärischer Realismus hinterfragt die feste Trennung von innerer Welt und äußerer Wirklichkeit.
  • Der Himmel wird Spiegel, Membran und Bühne zugleich.
  • Identität wird nicht als statisch, sondern als atmender Prozess verstanden.

9. Zeit als weiches Medium

Die Motive existieren nicht im Moment des Jetzt, sondern im Zustand des Übergangs. Verblühen ist Werden, Schweben ist Sein, Vermissen ist Präsenz. Die Kunst löst Chronologie auf und zeigt Zeit als Empfindungsraum.
  • Die Zeitlichkeit der Motive ist fließend.
  • Verblühen, Schweben oder Vermissen werden zu zeitlosen Zuständen.
  • Das Manifest formuliert, dass der transatmosphärische Raum jenseits chronologischer Logik liegt.

10. Fragilität als Stärke

Das Zarte, das Zerbrechliche, das fast Unsichtbare wird nicht versteckt, sondern sichtbar gemacht. Fragilität bildet die Voraussetzung für Öffnung, Erkenntnis und Veränderung.
  • Zerbrechliche Strukturen, Brüche und Zwischenräume werden als Wahrheit verstanden, nicht als Defizit.
  • Das Manifest stellt klar, dass Fragilität Voraussetzung für Öffnung und Transformation ist.

11. Das Sichtbare als Oberfläche des Bewusstseins

Bilder zeigen nicht, was ist, sondern was möglich ist. Jedes Werk ist ein dünnes Fenster in einen inneren Kosmos, der sich nur in Andeutungen offenbart.
  • Die Malerei zeigt, dass das, was wir sehen, nur eine dünne Haut über einem inneren Kosmos ist.
  • Kunst wird zur Methode, diese Schichten sichtbar zu machen.

12. Kunst als Einladung zum Loslassen

Nicht im Sinne des Verlierens, sondern im Sinne der Öffnung. Der transatmosphärische Realismus fordert dazu auf, mentale Schwerkraft abzulegen und die Beweglichkeit des Denkens wiederzufinden.
  • Nicht im Sinne des Verlustes, sondern als Öffnung des Denkens.
  • Die Kunst lädt ein, Bedeutungen, Gewohnheiten und mentale Schwerkraft abzulegen.

In einfacher Sprache

  1. Der Himmel steht für unseren inneren Zustand
Der Himmel ist nicht einfach blau oder bewölkt. Er zeigt, wie weit unsere Gedanken gehen können. In dieser Kunst wird er wie ein Spiegel verwendet, der zeigt, was in uns passiert.
  1. Schwerkraft ist nicht alles
Was uns schwer macht (Erwartungen, Regeln, Pflichten) kann in der Kunst aufgehoben werden. Bilder dürfen leicht sein, schwebend, frei von dem, was normalerweise feststeht. Das bedeutet nicht, vor etwas zu fliehen, sondern neue Möglichkeiten zu entdecken.
  1. Alltägliche Dinge bekommen eine neue Bedeutung
Ein Schirm schützt nicht mehr vor Regen. Eine Katze fällt nicht mehr nach unten. Eine Rose blüht nicht nach den üblichen Regeln. Dinge dürfen anders sein und zeigen damit etwas über unser Inneres, über Sehnsucht, Veränderung oder Freiheit.
  1. Figuren sind Übergänge, keine festen Formen
Menschen, Tiere oder Gegenstände wirken oft wie Zwischenwesen. Sie sind weder ganz real noch ganz Traum. Sie verbinden Außenwelt und Innenwelt.
  1. Alles bleibt durchlässig
In dieser Kunst ist nichts starr. Bedeutungen können wechseln. Der Himmel kann durch Figuren hindurchscheinen. Farben können wirken wie Gedanken. Die Bilder zeigen, dass wir selbst offener und beweglicher denken können.
  1. Orientierung entsteht durch Weite
Die Kunst dieser Richtung zeigt uns nicht, wohin wir gehen sollen. Sie hilft uns eher, innerlich mehr Raum zu finden. Aus diesem Gefühl von Weite entsteht Hoffnung. Nicht als Versprechen, sondern als Möglichkeit.
  1. Die Bilder sind klar und poetisch zugleich
Die Kunst ist nicht abstrakt, aber auch nicht realistisch im üblichen Sinn. Sie zeigt Stimmungen, Zustände und Gedanken sehr genau, aber auf eine poetische Art. Jedes Bild ist wie eine Frage, die man in Ruhe betrachten kann.
  1. Innen und Außen gehören zusammen
Der Himmel, die Figuren und die Dinge mischen sich. Das zeigt, dass wir nicht nur von außen bestimmt werden. Wir formen die Welt genauso, wie die Welt uns formt.
  1. Zeit ist flexibel
Die Bilder zeigen Momente, die nicht vergehen, sondern Schweben, Verblühen, Warten. Zeit ist hier kein Ablauf, sondern ein Gefühl.
  1. Zerbrechlichkeit zählt
Zarte Linien, feine Formen und offene Räume zeigen: Zerbrechlichkeit ist nichts Schwaches. Sie macht uns offener und menschlicher. Sie gehört zur Veränderung dazu.
  1. Was wir sehen, ist nur die Oberfläche
Jedes Bild zeigt etwas Sichtbares, aber darunter liegt immer ein innerer Raum. Die Kunst lädt uns ein, diesen Raum zu entdecken.
  1. Kunst hilft beim Loslassen
Die Kunst des transatmosphärischen Realismus lädt ein, alte Gewohnheiten, feste Bedeutungen und innere Schwere loszulassen. Nicht, um etwas zu verlieren, sondern um Platz für neue Gedanken zu schaffen.  
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