Mit meiner Werkreihe „Weißfelder des Lebens“ geht es mir nicht um ein Motiv im klassischen Sinn, sondern um eine wiederkehrende innere Logik, die alle Arbeiten verbindet.
Was in diesen Arbeiten wesentlich ist, ist vor allem die Rolle des Weiß. Für mich ist Weiß keine bloße Farbe. Weiß ist in dieser Werkreihe ein aktiver Raum. Es steht für Identität, Gelassenheit und Freiheit.
Es ist der Bereich im Bild, in dem sich etwas hält, klärt und behauptet, selbst dann, wenn das Leben in Bewegung ist, drängt, schiebt, sich überlagert oder widersprüchlich erscheint.
Die Weißfelder sind deshalb keine leeren Stellen. Sie sind tragende Zonen. Sie sind im übertragenen Sinn jene inneren Felder, in denen ich bei mir selbst bin.
Handwerklich arbeiten alle Arbeiten mit Schichtung, Überlagerung und Verdichtung. Breite gestische Spuren, transparentere Lagen und lineare Eingriffe greifen ineinander. Dadurch entsteht für mich eine Form von Tiefe, obwohl die Arbeiten abstrakt sind.
Es gibt ein Vorne, ein Dazwischen und ein Dahinter. Genau das entspricht meinem Blick auf das Leben: Es ist nie eindimensional. Es besteht aus Ebenen, Erfahrungen, Spannungen, Erinnerungen und Richtungen, die gleichzeitig wirksam sind.
Auch die Dynamik ist ein zentrales Merkmal dieser Werkreihe. In allen Arbeiten durchziehen sich Formen diagonal, kreuzend, schiebend und übergreifend. Ich wollte kein statisches Bild erzeugen, sondern ein Bildgeschehen, das an die tatsächliche Bewegung des Lebens erinnert.
Das Leben ist kein stilles Arrangement. Es ist ein Geflecht aus Impulsen, Brüchen, Übergängen und neuen Ausrichtungen. Die Kompositionen greifen genau das auf.
Wichtig sind mir dabei auch die Kontraste: dichte und offene Bereiche, transparente und deckende Spuren, ruhige und energische Passagen, weiche Übergänge und schärfere Setzungen.
Diese Gegensätze sind für mich wesentlich, weil auch das Leben aus Gegensätzen besteht. Die Weißfelder stehen dabei nicht außerhalb dieser Spannung, sondern mitten in ihr. Genau darin liegt ihre Bedeutung: Identität, Gelassenheit und Freiheit entstehen nicht abseits des Lebens, sondern in Resonanz mit ihm.
So verstehe ich „Weißfelder des Lebens“ als eine Werkreihe über innere Souveränität. Das Weiß trägt, ordnet nicht alles, beruhigt nicht alles, löst nicht alles auf – aber es bleibt. Es ist der Teil, der inmitten von Komplexität sichtbar macht, was mich hält.