Die Werkreihe Gelassenheiten und Freiheit entfaltet sich als leise, zugleich entschiedene Auseinandersetzung mit innerer Haltung. Sie spricht nicht von Rückzug aus der Welt, sondern von einer veränderten Beziehung zu ihr. Gelassenheit erscheint hier nicht als Abwesenheit von Bewegung, sondern als Zustand bewusster Zustimmung. Freiheit wird nicht behauptet, sondern durch Sinn-Setzung erfahrbar gemacht.
Die Arbeiten entstehen aus ergebnisoffener künstlerischer Erschaffensarbeit. Sie sind nicht Illustration einer Idee, sondern Protokolle eines Prozesses, der den Künstler ebenso überrascht wie das Werk selbst. Planung tritt zurück zugunsten von Vertrauen. Gelassenheit wächst im Tun, nicht im Vorwegnehmen.
Formal sind die Arbeiten von einer klaren, konstruktiven Bildsprache geprägt. Die weiße Fläche strukturiert den Bildraum und bildet die kognitive Ebene. Sie ordnet, begrenzt und läßt zugleich Raum.
In ihr entstehen Durchlässe, Pausen, Zwischenräume. Diese sind keine Lücken, sondern bewusste Setzungen. Sie stehen für Abstand, für Übersicht, für die Fähigkeit, wahrzunehmen, ohne sich zu verstricken.
Das Weiß selbst fungiert als tragende Ebene der Gelassenheit. Es überdeckt den Hintergrund nicht, sondern filtert ihn. Es schafft Distanz ohne Trennung. Wie ein ruhiger Atem liegt es zwischen Werk und Betrachter und eröffnet einen Zustand von Klarheit und Offenheit.
Durch diese weißen Durchlässe wird der farbige Hintergrund sichtbar. Er bildet die Gefühlsebene der Arbeiten. Ob in vielschichtigen Farbräumen oder bewusst reduziert auf die drei Primärfarben, steht er für das Unplanbare, Emotionale und Dynamische des Lebens.
Die Farben drängen, verschieben sich, reagieren aufeinander. Sie bleiben präsent, aber sie dominieren nicht. Die Gelassenheit verändert nicht das Leben, sondern den Umgang mit ihm.
In dieser Werkreihe wird Freiheit nicht als grenzenlose Möglichkeit verstanden, sondern als innere Autonomie. Freiheit entsteht dort, wo Abstand möglich wird. Wo Wahrnehmung nicht automatisch Reaktion erzeugt. Wo Bedeutung nicht von außen zugeschrieben, sondern innerlich gewählt wird.
Gelassenheiten und Freiheit thematisiert den Übergang vom bloßen Beobachten zum bewussten Gestalten. Der Mensch erscheint nicht als Getriebener von Umständen, sondern als Autor seiner Bedeutungen. Grenzen bleiben bestehen, verlieren jedoch ihre Bedrohlichkeit. Sie werden zu Linien, an denen sich Sinn verdichtet.
Die Arbeiten laden nicht zur schnellen Deutung ein. Sie verlangen Verweilen, Mitgehen, inneres Nachvollziehen. Freiheit zeigt sich hier nicht als Zustand, sondern als Prozess. Gelassenheit nicht als Ziel, sondern als Haltung.
In ihrer Gesamtheit formuliert die Werkreihe eine leise, aber klare These:
Freiheit entsteht dort, wo das Leben getanzt wird – im Einverständnis mit seinem Lauf, im Abstand zu dem, was nicht beeinflussbar ist, und im Vertrauen darauf, dass Bedeutung im Tun entsteht.